Schedia
Alexandrias Hafenstadt am Kanopischen Nil

Forschungsprojekt der Universitäten Göttingen und Köln

"Nach einer kurzen Strecke hinter Eleusis gelangt man auf der rechten Seite zu dem Kanal der nach Schedia führt. Schedia ist vier "schoinen" von Alexandria entfernt. Es ist eine Pflanzstadt Alexandrias und besitzt eine Station der Flußbarken, mit denen die Praefekten nach Ägypten fahren. In Schedia gibt es auch eine Zollstation, für alle Waren, die nilabwärts oder -aufwärts transportiert werden. Zu diesem Zweck wurde auch eine Schiffsbrücke ("Schedia") über den Fluß gelegt, welche dem Ort seinen Namen gab." (Strabon 17,1,16)

Der Ort

Schedia ist eine bislang kaum untersuchte Stadt ptolemäisch-römischer Zeit im westlichen Nildelta. Sie befindet sich im Bereich des modernen Dorfes Kom-el Gizah ca. 30 km südöstlich von Alexandria am heute nicht mehr sichtbaren Abzweig des ehemaligen alexandrinischen Verbindungskanals vom kanopischen Nilarm.

Schedia wurde zeitgleich mit Alexandria gegründet und war Umladeplatz und Zollstation für alle Waren, die aus Ägypten per Schiff zur Hauptstadt gelangten. Aufgrund dieser strategischen und handelstechnischen Sonderstellung entwickelte es sich bald zu einer bedeutenden Siedlung mit einer großen Garnison, zahlreichen Tempeln und einer der ältesten bekanntesten Synagogen. Schedia bestand ohne Unterbrechung bis in byzantinische Zeit und gehörte nach Alexandria zu den am frühesten christianisierten Städten Ägyptens mit eigenem Bischofssitz.

Das Projekt

In Schedia besteht die Möglichkeit, ein bedeutendes regionales und wirtschaftliches Zentrum ptolemäisch-römischer Zeit mit allen längerfristigen Entwicklungsprozessen zu untersuchen und somit einen wichtigen Beitrag zu der immer noch äußerst lückenhaften Kenntnis dieser Epoche Ägyptens leisten zu können. Als Zollstation und Durchgangshafen für alle auf dem Kanopischen Nil transportierten Güter eröffnen sich Einblicke in das Wirtschaftsleben ptolemäisch-römischer Zeit. Darüber hinaus verspricht die Erforschung Schedias aufgrund seiner engen Verbindung mit Alexandria üsse zur Entwicklung der Hauptstadt selbst.

Abgesehen von einigen Zufallsfunden aus dem 19. Jh. sowie verschiedenen Rettungsgrabungen des Ägyptischen Antikendienstes zwischen 1982 und 1991 ist die Stadt bis heute nicht untersucht worden. Im Frühjahr 2003 führte das Archäologische Institut der Universität Göttingen eine erste Vermessungs- und Grabungskampagne durch.

Seit 2004 werden großflächige Untersuchungen vor Ort durchgeführt. Neben geophysikalischen Prospektionen und geoarchäologischen Untersuchungen finden gezielte stratigraphische Ausgrabungen statt. In separaten Aufarbeitungskampagnen werden sämtliche Funde (u.a. Keramik, Knochen, Münzen) systematisch analysiert.

Das Projekt wird seit 2008 in Kooperation mit dem Archäologischen Institut der Universität zu Köln durchgeführt.


Vorbericht Kampagne 2003 (Englisch)
Vorbericht Kampagne 2004 (Englisch)

Vorbericht geophysikalische Prospektionen 2005 (Englisch)

Vorbericht Geoarchäologie 2005 - Text (Englisch)

Vorbericht Geoarchäologie 2005 - Abbilidungen (Englisch)

Zwischenbericht Kampagnen 2003-2005 (Englisch)

Vorbericht Kampagne 2006 (Englisch)

Zwischenbericht 2003-2007 (HASB 2007) (Deutsch)

Zwischenbericht Keramikbearbeitung (Englisch)

Vorbericht zur 5. Kampagne 2009 (Englisch)

 

Leitung

Prof. Dr. Marianne Bergmann, Universität Göttingen, mb@schedia.de
Prof. Dr. Michael Heinzelmann, Universität Köln, mh@schedia.de



Finanzierung

Die erste Kampagne 2003 wurde von der Fritz Thyssen Stiftung finanziert.
Seit 2004 wird das Projekt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert

Kooperation

Supreme Council of Antiquities
University of Southampton
Centre d’Études Alexandrines
Deutsches Archäologisches Institut